Gefundene Schätze

Unser Ortsheimatpfleger Rudolf Nintzel stellt "Gefundene Schätze" zu Ihlienworth vor.

Kuhlmaschine in der Marsch des Landes Hadeln | Bild um 1930

Beim „Kuhlen“ handelte es sich um eine Methode der Bodenverbesserung in den Elbmarschen. Unter dem Mutterboden und einer unfruchtbaren Bodenschicht, „Dwoog“ genannt, liegt eine helle, kalkhaltige Erdschicht. Von dieser „Kleierde“ wurden große Mengen nach oben geholt, um die oberen Erdschichten fruchtbarer zu machen. Dies geschah seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts in Handarbeit. Dabei wurde aus runden Löchern von 2-3 Metern Tiefe die Kleierde mit Holzspaten („Raweier“) nach oben befördert. Von diesen „Kuhlen“ rührt der Name der Tätigkeit her. Kuhlmaschinen lösten seit 1928 die vorher praktizierte schwere Handarbeit ab. 1992 wurde der Betrieb der letzten Maschine im Land Kehdingen eingestellt.

Die Kleierde wird aus einer Tiefe von bis zu 3 Metern gefördert, ohne dass dabei ein Umschichten der darüber liegenden Erdschichten notwendig ist. Die Kuhlmaschine besitzt einen großen Bohrrüssel, der bis in die Kleierde hineingetrieben wird. Am unteren Ende befindet sich der Bohrkopf, an dem Messer befestigt sind. Diese schneiden die Kleierde auf und befördern sie in das Innere des Rüssels. Mit einer dort angebrachten Transportschnecke wird sie an die Oberfläche transportiert und mit einer Schleuder beidseitig der Maschine verteilt. Die Kuhlmaschine bewegte sich mit ca. 80 m pro Stunde über den zu bearbeitenden Acker.

Die linke Person auf dem Foto ist Otto Timm aus Osterbruch.

Das Foto ist im Kalender „Arbeiter/Innen in Stadt und Land Cuxhaven“ aus dem Wilhelm-Heidsiek-Verlag erschienen. Der Kalender ist in Ihlienworth für 10 € in der Bäckerei Loose und im Bürgerbüro erhältlich.

Einsatz eines Eimerkettenbaggers in Ihlienworth | Bild von 1930er Jahre

Jahrhundertelang war der größte Feind des Hadelner Sietlandes das Wasser. Vom Herbst bis zum Frühjahr eines jeden Jahres standen weite Flächen des Landes vollständig unter Wasser. In diesen Zeiten war das einzige Verkehrsmittel der Kahn. Nicht nur der Transport von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, auch Visiten, Einkäufe, zur Geburt und zur Beerdigung – alles wurde auf dem Wasserwege abgewickelt. Eine erste Verbesserung dieser Lage wurde durch den Bau des Hadelner Kanals (1854) erreicht, der für die Entwässerung des Landes sorgte. Aber erst mit dem Bau der Schöpfwerke in Ihlienworth und Otterndorf in den Jahren 1928/29 konnten die jährlichen Überschwemmungen wirklich gebannt werden. Nach dem Bau der Schöpfwerke war die vorrangige Aufgabe des Medemverbandes die Vorfluter in Ordnung zu bringen, um das Wasser den Schöpfwerken auch zügig zuführen zu können. Unter anderem musste auch die Medem in Ihlienworth ausgebaggert werden.

Zu sehen ist der im Jahre 1937 vom Medemverband erworbene Eimerkettenbagger, der zu diesem Zweck eingesetzt wurde. Der Bagger wurde in Einzelteilen über Land transportiert und am Einsatzort wieder zusammen gebaut. Im Hintergrund ist die Hengststation zu sehen.

Belegschaft der Meierei Ihlienworth | Bild von 1975

Am 14. März 1887 wurde der Grundstein der Meierei-Genossenschaft Ihlienworth gelegt. Damit wurde den ansässigen Landwirten die Möglichkeit gegeben, ihre Milch gewinnbringend abzusetzen. Das Hadelner Sietland war damals aufgrund der schlechten Wegeverhältnisse praktisch von der übrigen Wirtschaft abgeschlossen. Der 8. November 1887 war mit 484 Liter Milch der erste Anlieferungstag. Die Liefermenge stieg kontinuierlich und erreichte 1908 2700 Tonnen im Jahr. Diese Menge wurde kriegsbedingt erst 1934 wieder erreicht. 1952 wurde der Betrieb der Meierei von Dampf auf Strom umgestellt. In den Jahren bis 1960 wurden zudem Butterei, Betriebsraum, Milchlager, Annahme und Weichkäserei ausgebaut.
Aufgrund der schlechten Kosten- und Erlössituation und nachdem in der Organisation und Verwaltung der Meierei zusätzlich gravierende Mängel festgestellt wurden, kam es 1983 zur Betriebsstillegung.
Die Mitarbeitenden auf dem Foto von links: Reinhard Oest, Christa Badura, Gerd Wörmcke, Heinrich Brümmer, Werner Haß, Claus Huntenburg, Werner Wichmann, Walter von Deesten, Marianne Jarck und Geschäftsführer Hartmut Albers.
Erwähnenswert ist die Tatsache, dass von 1937 bis zum Ende der NS-Diktatur das Büro der Ihlienworther NSDAP-Ortsgruppe in der Meierei untergebracht war. Der Betriebsleiter Bernhard Wilkens war gleichzeitig Ortsgruppenleiter. Er wurde noch im Mai 1945 interniert.

Lohnfuhrunternehmen in Ihlienworth | Bild aus ca. 1960er Jahre

Am 15. Oktober 1920 kaufte sich der Ihlienworther Wilhelm Tiedemann sein erstes Pferd und begann, mit Pferd und Wagen die Milch vom Straßdeich zur Meierei in der Dorfmitte zu fahren. Zuvor, seit dem 1. Januar 1920, hatte er die Milchanfuhr mit einem Kahn über Wettern und Medem getätigt. Es dauerte nicht lange, bis ein zweites Pferd gekauft werden musste und schon bald hat Tiedemann das Milchfahren aufgegeben und ein Lohnfuhrunternehmen gegründet. Manche Fuder Sand, Steine, Bauholz, Baumstämme und vieles andere rollten so über die Straßen. Außerdem wurde er von vielen Stellen zum Einbringen der Ernte gerufen und verrichtete er die Müllabfuhr in der Gemeinde. Neben seiner täglichen Arbeit hat er zudem 30 Jahre lang den Leichenwagen gefahren und manche Ihlienworther und Ihlienwortherinnen zur letzten Ruhe gebracht.
Auch ehrenamtliche Fahrten wurden von Tiedemann geleistet. Bei der Freiwilligen Feuerwehr zum Beispiel fuhr er lange Zeit die damalige Handspritze. Und im Schützenverein war er mit seinem Fuhrwerk bei den Festumzügen dabei, um die Ehrenmitglieder und ältere Festteilnehmer und Festteilnehmerinnen durch die Straßen zu fahren.
Wilhelm Tiedemann hat unzählige Kilometer mit seinem Pferdegespann hinter sich gebracht, wobei wohl so mancher Schweißtropfen geflossen ist, aber auch so mancher „Köm“ vereinnahmt wurde.

Beerdigung des Pastoren Woltmann | Bild von 1904

Hinter den Kindern links mit Zylinder der damalige Kantor Peter Meier.

Buch: Ihlienworth - Perle des Sietlandes

Die durch Heimatbeiträge und Bücher bekannte Autorin Gisela Tiedemann-Wingst legt nach mehrjähriger Arbeit dieses umfangreiche, reich bebilderte Heimatbuch vor.
Das Buch "Ihlienworth - Perle des Sietlandes" enthält Wissenswertes über die Geschichte des weitgehend landwirtschaftlich geprägten Ortes. So spielte die Verbesserung des Bodens durch das sogenannte „Kuhlen“ eine besondere Rolle. Die Kirche St. Wilhadi, ihre Kunstschätze und Geschichte wird ausführlich beschrieben. Dem ewigen Kampf mit dem Wasser bis hin zum Bau des Schöpfwerks wird nachgegangen. Die Geschichte der Meierei, der Spar- und Darlehnskasse und der Kreissparkasse wird erzählt. Den Windmühlen, Geschäften und Gaststätten sind ausführliche Berichte gewidmet und nicht zuletzt dem Holzmarkt, der zum Schweinemarkt mutierte. Die durch Heimatbeiträge und Bücher bekannte Autorin legt nach zehnjähriger Arbeit dieses umfangreiche, reich bebilderte Heimatbuch vor.

Das Buch kann beim Bäcker Loose in Ihlienworth käuflich erworben werden.